AKTUELLES STÜCK

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TERROR – eine Bilanz

Das Verfahren gegen den deutschen Luftwaffenmajor Lars Koch wurde am 8. April mit einem Freispruch für den Angeklagten eingestellt. 6.984 Schöffen haben in insgesamt 50 ausverkauften Vorstellungen an den Landesgerichten in Linz, Graz, St.Pölten, Steyr und Ried im Innkreis ihre Stimme abgegeben. 48 Mal wurde der Angeklagte dabei frei gesprochen. Nur zwei Mal haben die Schöffen für schuldig gestimmt.

Selten hat ein Theaterstück so viele und so heftige Diskussionen ausgelöst wie dieses. Kaum ein anderes Stück konnte weltweit einen ähnlichen Ansturm auf die Theaterkassen auslösen. Und nur selten war Theater so aktuell und brisant wie es bei TERROR der Fall ist.

Wir bedanken uns bei allen, die an diesem wunderbaren Erfolg beteiligt waren. Besonders bei unserem Publikum, das sich mit großem Interesse und Leidenschaft diesem wahrlich nicht einfachen Theatererlebnis mutig gestellt hat.

Im Frühjahr 2018 werden wir Sie mit einem neuen, ganz anderen Stück überraschen.
Bis dahin eine schöne Zeit.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

das Team von theater@work


TERROR: Wieviel wiegt ein Menschenleben?

Podiumsdiskussion im Zusammenhang mit der Aufführungsserie des Stückes TERROR von Ferdinand von Schirach
am Landesgericht für Strafsachen Graz

Mittwoch 15. März 18:30 Uhr

Eine Zusammenfassung!

Terroristen entführen ein Flugzeug mit 164 Personen an Bord. Es steuert auf ein vollbesetztes Fußballstadion zu. Soll das Flugzeug abgeschossen und dabei 164 Passagiere getötet werden, um 70.000 Menschen im Stadion zu retten? Das Theaterstück „Terror“ von Ferdinand von Schirach rollt dieses Thema in Form einer Gerichtsverhandlung auf und lässt das Publikum über Schuld entscheiden. Und dieses spricht den angeklagten Kampfjetpiloten in den weltweiten Aufführungen – so auch beim aktuellen Gastspiel von „Terror“ am Landesgericht für Strafsachen Graz – meistens frei. Wo beginnt die Ethik, wo endet das Recht? Darauf versuchte eine ExpertInnnenrunde von WissenschafterInnnen der Uni Graz die Antworten zu finden: Verfassungsrechtler Univ.-Prof. Dr. Christoph Bezemek, der Leitende Staatsanwalt Univ.-Prof. Dr. Thomas Mühlbacher und Ethiker Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold diskutierten unter der Moderation von Rechtswissenschafterin Ao.Univ.-Prof. Dr. Anita Ziegerhofer, mehr als 150 BesucherInnen verfolgten die spannende Debatte am 15. März 2017.

Dürfen bzw. sollen 164 Menschen für 70.000 „geopfert“ werden?, lautete eine zentrale Frage. „Eine Quantifizierung ist nicht zulässig. Das Recht auf Leben ist umfassend“, hielt Verfassungsjurist Bezemek fest. „Gewisse Dinge sind nicht machbar. Da ist das Ziehen eines Loses gerechter“, stieß Ethiker Neuhold ins selbe Horn. Mühlbacher, Praxisprofessor für Strafrecht, unterstrich: „Unbeteiligte Dritte in Sinne der Notwehr zu töten, ist nicht erlaubt.“ Wenngleich Bezemek konterte, dass es rechtlich gesehen in dieser Thematik keine Absolutheit gäbe. Im Sinne des entschuldigten Notstandes sei es grundrechtlich nicht eindeutig geregelt, ob unschuldige Opfer nicht doch in Kauf genommen werden könnten.

Die Podiumsdiskussion war eine Kooperationsveranstaltung von Rechtswissenschaftlicher Fakultät, 7. fakultät, theater@work und JUS-Club.

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Ist es erlaubt, unschuldige Menschen zur Rettung anderer unschuldiger Menschen zu töten?
Oder anders gesagt:
Darf das Leben von 164 Menschen gegen das Leben von 70.000 Menschen abgewogen werden?

Dieses Zitat aus dem ersten Theaterstück des deutschen Erfolgsautors Ferdinand von Schirach bildet das Kernthema des Justizdramas und stellt die Frage nach der Antastbarkeit der Würde eines Menschen zur Rettung Anderer. Selten ist Theater so bedrückend aktuell wie mit diesem Stück. Wie wollen wir in Zukunft leben? Müssen wir in Zeiten um sich greifenden Terrors zugunsten der Sicherheit auf unsere Freiheit verzichten? Welche Gründe kann es geben, um ein Unheil durch ein anderes, vermeintlich kleineres Unheil abzuwehren? Und wie hätte man selbst entschieden? TERROR wirft viele Fragen auf, stellt bisherige Antworten in Frage und zeigt, wie wenig eindeutig Entscheidungen rechtlich und moralisch beantwortet werden können – aber dennoch müssen.

Seit der doppelten Uraufführung in Frankfurt und Berlin Anfang Oktober letzten Jahres reißen sich die Bühnen um die Aufführungsrechte des Stückes. TERROR gilt seither als das Erfolgsstück des Jahres 2015.

theater@work zeigte die Österreichische Erstaufführung mit großem Erfolg im Mai/Juni 2016 im Landesgericht Linz.

Mit

Alfred Rauch, Simon Jaritz, Christian Lemperle, Lisa Schrammel, Peter Andreas Landerl, Katharina Schraml und Maximilian Modl

Regie: Heidelinde Leutgöb
Ausstattung: Isabella Reder

Regieassistenz: Anja Baum
Juristische Beratung: Mag. Maximilian Modl

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Benjamin Franklin