Leiste_TERROR Ensemble co Reinhard Winkler

INHALT

Was geschieht, wenn ein Passagierflugzeug von Terroristen entführt wird und auf ein ausverkauftes Fußballstadion zurast? Was geschieht, wenn der Terror unseren Alltag beherrscht? Welche juristischen, moralischen und philosophischen Mittel hat unsere Gesellschaft in solch einer Ausnahmesituation? Darf die Würde des Menschen angetastet werden, wenn dadurch vermeintlich mehr Menschen gerettet werden können?

Anhand eines juristischen Konstrukts werden diese Fragen in Ferdinand von Schirachs erstem Theaterstück plastisch: An Bord von Flug LH 2047 von Berlin-Tegel nach München sind 164 Menschen. Die Maschine, von einem Terroristen entführt, nimmt Kurs auf die Allianz Arena in München. Major Lars Koch, Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr, muss reagieren. Wie lauten seine Befehle? Soll er, darf er die Passagiermaschine abschießen, wenn die Terroristen nicht einlenken? Die Uhr tickt, und Lars Koch trifft eine Entscheidung. Wenige Wochen später muss er sie vor einem Schöffengericht rechtfertigen.

 

DAS PUBLIKUM ALS SCHÖFFEN

Ferdinand von Schirach macht die ZuschauerInnen des Stückes zu Schöffen des Prozesses. Am Ende müssen sie über Schuld oder Unschuld des Angeklagten entscheiden. Dadurch zwingt er das Publikum zu einer intensiven Auseinandersetzung mit seinen eigenen moralischen und ethischen Positionen und zu einem Überdenken des eigenen Rechtsempfindens.

 

ABSTIMMUNGSERGEBNISSE

Die Abstimmungsergebnisse aller bisherigen Aufführungen seit der Uraufführung wurden gesammelt und sind unter folgendem Link zu finden: www.terror.kiepenheuer-medien.de/Terror


Foto Schirach

FERDINAND VON SCHIRACH

Der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren. Seit 1994 arbeitet er in Berlin als Anwalt und Strafverteidiger. Zu seinen Mandanten gehörten das frühere Politbüro-Mitglied Günter Schabowski, der ehemalige BND-Spion Norbert Juretzko, Industrielle, Prominente und Angehörige der Unterwelt.

2009 publizierte er seinen Debütband Verbrechen, in dem er seine skurrilsten und unglaublichsten Fälle niederschrieb und der inzwischen erfolgreich verfilmt wurde. Es folgten der zweite Kurzgeschichtenband Schuld (ebenfalls verfilmt, mit Moritz Bleibtreu),  der Roman Der Fall Collini und im Herbst 2013 der Roman Tabu. 2014 erschien der Essayband Die Würde des Menschen ist antastbar und im Oktober 2015 wurde zeitgleich in Frankfurt und Berlin sein erstes Theaterstück TERROR uraufgeführt.

Ferdinand von Schirach gehört zu den wichtigsten und am meisten gelesenen Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Seine Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt und zu internationalen Bestsellern. In seinen Essays und Reden äußert er sich regelmäßig zu großen gesellschaftspolitischen Themen.

Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und zahlreichen anderen – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet.


 

TV-VERFILMUNG

Verfilmung von Schirachs Justizdrama als ORF-TV-Event im Herbst 2016

TERROR wurde in Berlin von Oliver Berben gemeinsam mit der ARD Degeto und dem rbb mit einem hochkarätig besetzten Ensemble für das Fernsehen verfilmt. Unter der Regie von Grimme-Preisträger Lars Kraume spielen Romy-Preisträger Florian David Fitz den Angeklagten Lars Koch, Martina Gedeck die Staatsanwältin, Burghart Klaußner den Richter, Lars Eidinger den Verteidiger sowie Jördis Triebel und Rainer Bock Nebenklägerin und Zeuge.

Der ORF hat sich die Senderechte gesichert und den Film im Herbst 2016 ausgestrahlt.Und auch hier wurde wie im Stück das TV-Publikum über Schuld und Unschuld des Angeklagten entschieden: Nach den Schlussplädoyers im Film wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer multimedialen Abstimmung aufgefordert, ihr Urteil abzugeben. Im Rahmen eines Themenabends unter der Leitung von Peter Resetarits stand  nach der Urteilsverkündung auch eine Diskussion mit Experten auf dem Programm, die die Entscheidung des Publikums sowie die ethischen und juristischen Grundlagen des Falls zum Thema hatte.

“Diese Geschichte führt uns eine Situation vor Augen, die für mich einen ‚Gordischen Knoten‘ in einer gesellschaftspolitischen Diskussion und dem Diskurs nach Verantwortlichkeiten darstellt”, sagte Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner. “Leider zeigt dieses Werk auch, wie realistisch eine solche Situation in unserer Welt geworden ist. TERROR  steht also stellvertretend für schwierige Fragen, mit denen sich unsere Gesellschaft aktuell auseinandersetzten muss. Dieser Film ist eine emotionale Herausforderung für die Psyche und den Instinkt des Individuums und für unsere Gesellschaft. Es ist uns wichtig, diese Themen unserem Publikum auch in fiktionaler Form nahe zu bringen und so eine thematische Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit in Gang zu setzen.”

Peter Resetarits: “Das Thema ist für Rechtsgelehrte, Philosophen und Menschen wie du und ich gleichermaßen spannend. Ein Problem, das mit Paragrafen kaum zu lösen ist, in einer Verbindung von Film, Fiktion und Diskussion samt Voting abzuhandeln, ist für mich interessantes Neuland.”